Jo-Marie, 32, Weltbürgerin und leidenschaftlicher Klassikfan. Seit viereinhalb Jahren bei pluss. Im Job engagiert, zuhause liebt sie Sofaabende mit ihren zwei Abessinierkatzen.

Aus den Feedbackgesprächen.

Zur Betreuung unserer Mitarbeiter gehören regelmäßige Gesprächsrunden. Wir finden, nur wer gut zuhört, kann verstehen.

Ich, Erzieherin.

Spasti, Mongo, schwule Sau, du Jude, Hurensohn, Opfer. Krasse Sprache, die „meine“ Jugendlichen im Jugendwohnheim an den Tag legen. Ich selbst hab mich lange mit diskriminierungsfreier Sprache beschäftigt, da muss man dann zweimal schlucken. Viel mehr kann ich nicht tun, denn ich geh auf ganz dünnem Eis.

Meine oberste Priorität ist, positive Bindungen herzustellen, um die Kinder gezielt zu fördern. Ich bin kein Polizist und auch nicht die Sprachpolizei, ich bin Erzieherin, das Setting ist Intensivbetreuung. Mit traumapädagogischem Ansatz unterstütze ich junge Menschen dabei, ihr Leben zu strukturieren und den Lebensort zu sichern.

Diese Jugendlichen sind „belastet“. Früher hab ich ein bisschen schwarz-weiß gedacht, zum Beispiel, wer unter einer Belastung leidet, kann selbst keine Belastung sein. Ich habe schnell gelernt, dass das nicht stimmt. Jeder kann andere belasten, und gerade Kinder, die Schlimmes erlebt haben, können das erfahrene Muster weitergeben. Das Muster beginnt bei der Sprache.

Ab und zu in einer ruhigen Minute schnappe ich mir den einen oder anderen und erkläre ihm, was seine Schimpfwörter bedeuten, und wen er damit verletzt. Manchmal bringt es was. Ich bin auch für kleine Erfolge dankbar.

Und die haben wir! Alex hat sich gestern eingemischt, als ein anderer „Mongo“ brüllte. Hat ihm erklärt, warum das „nicht cool“ ist. Ich hab mich rausgehalten und gemerkt, meine Gespräche haben was gebracht. Ich mache einen Unterschied. Und ganz ehrlich, sowas ist kein kleiner Erfolg, das ist ein großer.

Aus: Feedbackgespräche mit Mitarbeitern, pluss Bildung & Soziales