Yvonne, 31, geboren in Brandenburg, zog der Liebe wegen nach Unterfranken, wo sie seit knapp zwei Jahren bei pluss arbeitet. Sammelt japanischen Manga und arbeitet zusammen mit ihrem besten Freund an einem eigenen Comic.

Aus den Feedbackgesprächen.

Verstehen beginnt beim Zuhören. Regelmäßig treffen wir unsere Mitarbeiter und fragen sie gezielt nach den Höhen und Tiefen.

Ich, Heilerziehungspflegerin.

Ich dreh bald durch. Echt jetzt. Das hört einfach nicht auf, diese Einmischung! OK, ich fang mal von vorne an: Ich mache Heilerziehungspflege, und betreu ein Mädchen von 11 Jahren, multiple Behinderung, seit einigen Wochen im Rollstuhl. Nikki heißt die Süße, und sie ist ein tolles Mädchen. Die Ärzte sagen, dass sie wohl immer auf den Rollstuhl angewiesen sein wird. OK?

Nikki kommt damit besser klar als ihre Eltern. Jedes Mal heulen die, wenn ich mit Nikki arbeite. Ich versteh das ja, aber die ziehen das Kind einfach runter. Die ganze Zeit. Ich arbeite so hart daran, sie zu fördern, und die Eltern machen es immer wieder kaputt. Beispiel? Nikki muss lernen, auch im Rollstuhl selbständig zu sein. Rein und raus in den Stuhl, damit geht’s los. Im Moment braucht sie dafür ein paar Minuten, aber so ist das eben. Ich bin da, wenn sie Hilfe braucht, aber die beste Hilfe ist jetzt, sie lernen zu lassen. Und die Mutter, echt null Geduld. Guckt sich das 10 Sekunden an, und dann sofort: „Warte, ich helf dir“. Sie meinte es ja gut, aber das bringt nichts und schadet nur. Nikki kann das alleine, es dauert nur etwas. Man muss sie das in ihrem Tempo machen lassen, und die größte Hilfe wäre jetzt Geduld. Ihre Entwicklung, ihr Tempo, das würde jetzt helfen. Und beide Eltern kriegen das nicht auf die Reihe.

OK, Nikki braucht professionelle Unterstützung, dafür bin ich da. Aber Unterstützung ist nicht das gleiche wie Entmündigung. Kinder ohne Behinderung lernen irgendwann alleine Fahrradfahren, aber dafür muss man sie auch loslassen können. Na ja, und heute hatte ich eine Vertretung für eine Stunde, ich war schnell was besorgen, komme wieder und sehe, dass meine Kollegin Nikki ganz selbstverständlich hochhebt, in den Stuhl setzt und sich genau so verhält wie die Mutter. Da sind mir einfach die Nerven durchgegangen, da hatte ich das Gefühl, dass echt keiner mitdenkt, nicht mal die Profis. Ich hab die Frau echt angepampt, und das tut mir auch leid. Aber wir haben das auch geklärt. Gehört zu meinem Job.

Aus: Feedbackgespräche mit Mitarbeitern, pluss Bildung & Soziales